Jil - Mein Weg zur meiner ersten Pole Sport Meisterschaft.
- Mia Lang

- vor 3 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Ich hätte vor ein paar Monaten niemals gedacht, dass ich einmal auf einer Bühne stehen würde, ganz allein im Spotlight und am Ende sogar ganz oben auf dem Podium lande.

Erst im September habe ich mit Pole angefangen. Schon lange fand ich den Sport faszinierend, aber mein Alltag war eigentlich schon komplett ausgefüllt: Seit 14 Jahren betreibe ich Meisterschafts-Cheerleading, dazu singe ich in einer
Band und arbeite Vollzeit. Ich dachte immer, ich hätte „genug“ Hobbys.
Doch irgendwann habe ich im Cheerleading auf einem hohen Level aufgehört, um mich mehr auf eine eigene Cheersparte zu konzentrieren, die ich selbst aufgebaut habe. Dabei habe ich allerdings gemerkt, dass ich mich selbst immer weniger priorisiert habe. Meine eigene sportliche Weiterentwicklung ist ein Stück weit auf der Strecke geblieben. Und dann kam Pole.
Schon in den ersten Trainingsstunden hat mich dieser Sport komplett gepackt. Zum ersten Mal hatte ich ein Hobby nur für mich. Etwas, in dem ich mich persönlich weiterentwickeln kann, unabhängig von einem Team. Im Cheerleading ist
man immer aufeinander angewiesen. Beim Pole hingegen bin ich selbst verantwortlich, für meinen Fortschritt, meine Leistung und meinen Erfolg.
Diese Eigenverantwortung hat in mir eine riesige Motivation ausgelöst. Am liebsten hätte ich jeden Tag trainiert. Auch wenn mir manche Dinge am Anfang leicht gefallen sind, war der Weg alles andere als einfach. Pole ist eine ganz andere Welt. Kraft, Flexibilität und Tanz müssen miteinander verbunden werden und genau das war neu für mich. Dinge wie bewusst gestreckte Füße und Knie oder fließende Tanzbewegungen spielen eine viel größere Rolle, als ich es aus dem Cheerleading kannte.
Viele haben gesagt: „Du hast durch Cheerleading einen riesigen Vorteil.“ Ja, was Ausstrahlung, Körpergefühl und Choreografieverständnis angeht, stimmt das. Aber die Intensität ist eine andere. Im Cheer teilt man sich die Kraft mit seinem Team, die Choreo ist kürzer. Beim Pole steht man vier Minuten allein auf der Bühne, durchgehend unter Spannung, komplett im Fokus.
Und genau das macht es so besonders, aber auch so herausfordernd.
Als ich mich entschieden habe, an der Deutschen Meisterschaft teilzunehmen, hatte ich kein bestimmtes Ziel in Bezug auf Platzierungen. Ich wollte mich selbst pushen. Ich wollte wissen, wie es sich anfühlt, auf so einer Bühne zu stehen.
Und vor allem: Ich wollte Spaß haben. Ich habe viel trainiert und immer, wenn etwas nicht funktioniert hat, habe ich so lange weitergemacht, bis es geklappt
hat. Zusammen mit meiner Trainerin, der ich unglaublich dankbar bin, haben wir meine Choreografie aufgebaut. Sie hat sie für mich entworfen und ich habe viele Stunden investiert, um sie zu perfektionieren.
Die Zeit verging schneller als gedacht. Plötzlich war Generalprobe und dann ging alles ganz schnell.
Am Donnerstag ging es los, die Anreise nach Dessau. Die Aufregung kam in Wellen, aber ich konnte mich immer wieder gut selbst herunterholen.
Am Freitag war Check-in und Bühnenprobe, eine komplett neue Erfahrung für mich. Meine Teamkollegen aus dem Studio haben mir alles gezeigt.
Dann wurde ich aufgerufen und hatte eine Minute Zeit, um ein paar Elemente auf der Bühne zu testen. Es war nicht wie ein echter Auftritt, aber es hat mir geholfen, ein Gefühl für die Stange und die Bühne zu bekommen. Ab diesem Zeitpunkt war mir bewusst, ich bin wirklich hier und darf jetzt bald zeigen woran ich die letzten Monate gearbeitet habe.
Am Sonntag war es dann soweit, mein Auftritt.
Ich habe mich bewusst dafür entschieden, mich im Hotel in Ruhe fertig zu machen und erst kurz vor dem Warm-up in die Halle zu fahren. Es war ungewohnt, mich nur auf mich selbst zu konzentrieren, im Cheer bin ich immer für das Team da. Hier musste ich lernen: Jetzt geht es um mich. Die Aufregung kam und ging. Aber ich konnte mich immer wieder fangen. Backstage war meine Trainerin bei mir. Sie hat mir Ruhe gegeben, mir Mut zugesprochen und in diesem Moment habe ich einfach gemerkt, wie wichtig es ist, die richtigen Menschen an seiner Seite zu haben.
Kurz bevor ich auf die Bühne ging, war die Nervosität plötzlich weg. Ich hatte einfach nur noch Lust. Lust, zu zeigen, was ich gelernt habe.
Dann wurde ich aufgerufen.
Ich ging auf die Bühne, verbeugte mich vor der Jury, atmete einmal tief ein und aus und hatte nur einen Gedanken: Hab Spaß und gib alles.
Ich kletterte die Stange hoch, die Musik begann und ab diesem Moment habe ich jede Sekunde genossen. Ich war komplett im Moment, habe jede Bewegung bewusst ausgeführt und einfach gespürt, wie sehr ich das hier wollte.
Diese vier Minuten vergingen wie im Flug. Als die Musik endete, wusste ich: Ich habe es geschafft. Ich bin nicht gefallen. Ich habe alles gegeben. Egal, welche
Punktzahl kommt, ich war glücklich.
In der „Kiss and Cry“ area wartete ich mit meiner Trainerin auf die Bewertung. Nach Bekanntgabe meiner Punktzahl war überwältigt, damit hätte ich bei meiner ersten Meisterschaft niemals gerechnet.

Als dann alle Ergebnisse feststanden, wurde klar, ich habe gewonnen.
Ich konnte es zuerst gar nicht realisieren. Ich, Deutsche Meisterin in der Kategorie Pole Sport Amateur 18+?!
Bei der Siegerehrung, als ich auf dem Podium stand, wurde es dann langsam real. Ich habe es wirklich geschafft.
Und das Schönste daran: Es war nie mein Ziel zu gewinnen. Mein Ziel war es, stolz auf mich zu sein.

Und genau das war ich.
Ich bin unglaublich dankbar, meiner Trainerin, meiner Familie, meinen Freunden und allen aus meinem Studio, die mich auf diesem Weg unterstützt haben.
Jetzt geht es für mich in der nächsten Saison eine Kategorie höher in den Professional-Bereich. Und ich freue mich jetzt schon auf alles, was kommt: neue Elemente, neue Choreografie, neue Musik, neue Herausforderungen.
Diese Erfahrung werde ich nie vergessen.
Und sie hat mir gezeigt:
Wenn man für etwas brennt und dranbleibt, ist viel mehr möglich, als man denkt.





Kommentare